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Wenn Angst und Trauer überwiegen

Die Depression ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen. Sie kann auftreten als kurze episodische Störung oder als länger anhaltende Krankheit.

Alle Altersgruppen sind betroffen,  Kinder, junge und alte Menschen, Frauen und Männer in gleichem Maße. Oft ist die Depression verschleiert und sie zeigt sich in körperlichen Symptomen. Viele Patienten sind verunsichert, da sie eine organische Ursache ihres Krankseins vermuten. Man spricht dann von einer versteckten, larvierten Depression oder psychosomatischen Erkrankung.

Prinzipiell sind Depressionen gutartig, nach einer bestimmten Zeit heilt sie in der Regel aus. Als Trost sei all den Betroffenen gesagt: Nach jeder langen Nacht kommt ein neuer Morgen.


Ursachen

Die Ursachen der Depression sind sehr komplex. Depressiv Erkrankte denken häufig, dass sie an ihrem Zustand selbst schuld sind - zu ihrer tiefen Traurigkeit kommen auch noch Schuldgefühle. Es gibt jedoch viele physiologische Abläufe im Gehirn, die die depressive Stimmungen erhalten und erzeugen können.

Menschen, die das Gen 17q11.1 haben, reagieren bei Belastungen rasch mit einer Reizung des Mandelkerns, der Amygdala, von wo aus das Angst- und Aggressionsverhalten gesteuert wird. Bei anderen ist das Zusammenspiel verschiedener neurogener Botenstoffe gestört. So kann beispielsweise der Serotonin- oder Dopaminspiegel im Gehirn zu niedrig sein, und dadurch depressive Stimmungen erzeugen.

An der Entstehung von Depressionen scheint in den meisten Fällen ein erhöhter Adrenalinspiegel beteiligt zu sein: Ein hohes Stressempfinden führt zu einer andauernden Stimulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse und somit zu einer Verminderung der Neubildung von Zellen im so genannten Hippokampus, einem der wenigen Orte im Gehirn, wo noch Zellen neu gebildet werden können. Diese Neubildung ist wichtig für die Vernetzung der Zellen untereinander. Je besser die Zellen vernetzt sind, umso mehr Informationen können abgeglichen und eingeschätzt werden.

Symptome der Depression

  • Abgeschlagenheit, Antriebsarmut, Lustlosigkeit, Traurigkeit, Gefühl der  Sinnlosigkeit oder gar Gedanken an Selbsttötung
  • Schlaflosigkeit oder vermehrtes Schlafbedürfnis, mangelnder Appetit
  • Kopfschmerz, Engegefühle oder wechselnde körperliche Symptome

 

Psychosomatische Erkrankungen
Bei psychosomatischen Erkrankungen werden manchmal Schmerzen, Druckgefühle oder Gefühlsstörungen empfunden, die aus “falschen” Vernetzungen von Nervenzellen untereinander resultieren. Natürlich müssen diese körperlichen Symptome abgeklärt werden. Wenn aber eine körperliche Ur-sache ausgeschlossen wurde, sollten seelische Zusammenhänge  betrachtet werden. Das ist manchmal gar nicht so einfach, da viele psychosomatisch Kranke ihre Traurigkeit in ein körperliches Leiden übersetzt haben und deshalb beharrlich eine organische Erklärung suchen.

Optimisten haben mehr Spaß

Als Stress erlebte Ereignisse sind ein bedeutsamer Faktor bei der Entstehung von Krankheiten. Ist ein bestimmtes Organsystem, ein Botenstoff, ein Gen oder ein biochemischer Prozess leicht verletzbar, kann bei einem zusätzlichen Stressor Krankheit entstehen. Bei der Depression ist es nicht anders. Der Erkennung von Stress-faktoren kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Hier liegt aber auch die Chance, langfristig mit der Krankheit besser umgehen zu können.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Pessimisten und Optimisten? Die Antwort: keinen. Beide irren sich in 50 Prozent der Fälle, nur die Optimisten haben mehr Spaß dabei. Dieser kleine Witz verdeutlicht, welchen Einfluss wir auf unser eigenes Erleben haben. Aaron Antonovsky, ein israelisch-amerikanischer Psychologe fand heraus, dass es ganz entscheidend ist, welche Haltung wir an den Tag legen: Mal sehen, wir werden eine Lösung finden. Oder die hoffnungslose Variante: Wir haben eh keine Chance.

Alle unsere Emotionen folgen dem E-E-E-System: Ereignis-Einschätzung-Emotion. An den Ereignissen können wir wenig ändern, aber an unserer Einschätzung: Ist das Glas halb leer, oder hatten wir Glück, dass es noch halb voll ist. Regnet es mal wieder heute, oder nutzen wir die Gelegenheit für einen gemütlichen Tag zu Hause. Eine häufige Ursache für pathologische, emo-tionale Zustände ist die Katastrophisierung der Ereignis. Worte wie furchtbar, schlimm, Katastrophe, usw. bringen eine ganze Kaskade von Botenstoffen und Erregungen  von Hirnkernen in Gang, die anhaltend depressive, angstvolle oder aggressive Gefühle hervorrufen.

Lesen Sie dazu den Beitrag "Die Depression meistern" aus dem Patientenbrief Nr. 12

Praxis
Dr. med. Wolfgang Raiser
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